Helaba Geschäftsbericht 2016
Geschäftsbericht 2016

Herbert Hans Grüntker im Gespräch

„Werte erhalten und ausbauen, das hat für mich oberste Priorität.“

Herbert Hans Grüntker, der Vorsitzende des Vorstands der Helaba, im Gespräch über Bankgeschäft als Handwerk, die Weitergabe von Werten und warum echter Dialog grade in unserer digitalisierten Welt unverzichtbar ist.

Herr Grüntker, für den renommierten Soziologen Richard Sennett sind auch Banker im Kern Handwerker. Was zeichnet für Sie gutes Finanz-Handwerk aus?

Das Vertrauen in die Substanz des eigenen Wissens und der eigenen Fähigkeiten. Für mich hat das sehr viel mit Bodenhaftung zu tun, auch mit einer guten Dosis Realitätssinn. Auch eine ehrliche, respektvolle Einschätzung der eigenen Möglichkeiten und Grenzen gehört dazu. Gute Handwerker wissen, wie man Probleme löst, aber auch wie man die Dinge gestaltet. Sie haben ein starkes Interesse, sich weiterzuentwickeln, nicht stehen zu bleiben. Handwerkskultur und Handwerkskunst verknüpfe ich auch mit Maßarbeit und einem Blick fürs Detail. Übertragen auf unser tägliches Geschäft bedeutet es für mich, dass wir uns als Bank daran messen lassen müssen, ob es uns gelingt, für unsere Kunden und Partner das optimale Produkt zu finden und damit Lösungen, die zu ihrer jeweiligen Herausforderung passen. Abgesehen davon hat die scheinbar altmodische, aber sehr aktuelle Devise, nur so viel zu versprechen, wie man auch halten kann, einen hohen Wert für mich.

Von welcher Erfahrung profitieren Sie noch heute, was hat Ihr Handwerk definiert?

Definitiv von den Erfahrungen, die ich in den Anfangsjahren gesammelt habe, als es darum ging, sich die Grundlagen des Bankgeschäfts anzueignen und zu lernen, welches Wissen und welche Fähigkeiten im Bankgeschäft entscheidend sind. Das sind wichtige Wurzeln für mich. Darüber hinaus ist das wichtigste, was meine Berufserfahrung mich gelehrt hat, mich selbst als Treuhänder zu betrachten. Meinen Vorstandskollegen und mir ist ein Vermögen anvertraut worden, das wir später einmal an unsere Nachfolger weiterreichen. Es erdet und ehrt einen, wenn man ein Vermögen mit der klaren Aufgabe anvertraut bekommt, es an nachfolgende Generationen ohne Verluste und möglichst mit Substanzmehrung an die Nachfolger weiterzureichen. An einer solchen Aufgabe hängt ja eine ganze Menge, sie zieht Konsequenzen nach sich, die weit über die eigene Schaffenszeit hinausgehen.

Wie prägt diese Haltung Ihr Handeln und Ihre Einschätzung der Herausforderungen, vor denen die Bankenbranche steht?

Wie ein Treuhänder zu denken und zu handeln, ist nicht das Schlechteste in einer Phase, in der es gilt, die Geschäftsstrategie weiterzuentwickeln und sie wieder und wieder an die neue Realität des Bankengeschäfts anzupassen. Die Null- und Negativzinsphase und die sich wandelnden Erwartungen der Kunden an ihre Bank halten uns in Bewegung, und das ist auch gut so. Für mich besitzen dabei vor allem zwei Dinge Priorität: Zum einen gilt es, Werte zu erhalten und auszubauen. Und zum anderen, sich von Positionen und Produkten zu trennen, wenn sie nicht mehr zu uns passen oder die notwendige Rentabilität nicht erreichen. Wir betrachten und analysieren die Portfolios unserer Kunden sehr gründlich und mit einem klaren Blick für das Richtige und das Wesentliche. Und genau auf dieser Basis arbeiten wir an unserem eigenen Portfolio-Review. Wir setzen dabei auf eine gute Risikomischung und gehen Risiken gut kalkuliert ein. Die anhaltende Phase der Null- und Negativzinsen ist für uns alle schwierig. Aber wir machen im Interesse unserer Kunden und Partner – und natürlich auch in unserem eigenen - das Beste daraus. Auch indem wir über den Tellerrand blicken und gut vernetzt agieren.

Was macht die Kraft guter „Vernetzung“ aus?

Vernetzung bedeutet für mich vor allem kontinuierlichen Dialog. Nur wenn wir unsere Kunden und Partner wirklich begreifen und ihre Herausforderungen und Ziele nicht nur verstehen, sondern sie auch in den Kontext ihrer Branche, der relevanten Trends und Treiber am jeweiligen Markt einordnen, können wir Lösungen anbieten, die erfolgreich sind.

Digitalisierung ist ein Thema, das ganz oben auf der Agenda der Helaba steht. Gleichzeitig spielt auch die Nachhaltigkeit eine große Rolle – im Sinne von nachhaltigen Beziehungen, Projekten, Kooperationen, Werten, der Übernahme von Verantwortung für Mensch und Umwelt. Bedingt sich beides, das Digitale und das Nachhaltige?

Digitalisierung wird häufig mit dem Begriff „Disruption“ in Verbindung gebracht. Ideen von gestern und veraltete Geschäftsmodelle gehen unter und werden durch radikal Neues abgelöst. Auf den ersten Blick scheint dieser Wechsel dem Gedanken der Nachhaltigkeit zu wiedersprechen. Auf den zweiten aber entsteht Neues, das unsere Lebens- und Arbeitswelt noch lange Jahre begleiten und definieren wird. Also neue erfolgreiche Geschäftsmodelle die nachhaltig agieren werden. Die Digitalisierung der Prozesse wiederum fördert eine bessere Effizienz, sprich weniger Ressourcen werden gebraucht und verbraucht.

Wenn Sie heute auf Ihr erstes komplettes Jahr als Vorstandsvorsitzender zurückblicken, was zeichnet es für Sie aus?

Mir macht die Arbeit unverändert Freude. Ich hatte die Möglichkeit, viele Menschen kennenzulernen, die die Helaba prägen und voranbringen. Wir haben Veränderungen eingeleitet wie die Digitalisierung. Und es war auch wirtschaftlich gesehen ein zufriedenstellendes Jahr.

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