Helaba Geschäftsbericht 2016
Geschäftsbericht 2016
Fintechs in Frankfurt

Hotspot

Die Finanzmetropole Frankfurt ist im Wandel. Dieser wird nicht zuletzt auch im neu eröffneten TechQuartier deutlich spürbar. Ein Ort mit klarer Vision: Hier arbeiten Fintechs an den Lösungen für das Bankwesen von morgen.

Die Wintersonne spiegelt sich in der verglasten Fassade des Pollux-Hochhauses. Hier, unweit des Messegeländes, dominiert das Business-Frankfurt und der schnelle Schritt der Passanten passt zur Aufbruchstimmung, die mit dem TechQuartier in jenes Gebäude eingezogen ist.

Es herrscht Bewegung. Nicht nur auf dem europäischen Finanzmarkt, auch in den Universitäten und Gründerzentren. Häufig sind es Fintechs, die die Lösungen für die neuen Herausforderungen der Branche liefern. Fintech – der Begriff verbindet Finance und Technology, produktgewordene Digitalisierung: Ob Bezahlsysteme per Handy oder Social Trading, die neuen Lösungen der Fintechs sind gefragt. Und sie erobern ein Kundensegment, das bisher die traditionellen Finanzinstitute belegten. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Diskussionen um den Brexit stellt sich die Frage: Wo soll Fintech-Innovation zukünftig stattfinden?

„Der Brexit kann dazu führen, dass Frankfurt für Fintechs attraktiver wird, die primär im Euroraum arbeiten wollen“, überlegt Dr. Gerhard Kebbel, Bereichsleiter Strategieprojekt Digitalisierung bei der Helaba. Das Zusammenspiel von grundlegenden Strukturen und dem richtigen Timing ist für den Erfolg des Zentrums maßgeblich. Andreas Hackethal, Professor für Finanzen am House of Finance der Goethe Universität und wie Dr. Kebbel einer der Mentoren im TechQuartier, bestätigt das günstige Zeitfenster: „Es gibt eindeutige Trends, die für Frankfurt sprechen. Das Ökosystem, das sich dem TechQuartier bietet, ist optimal: Es ist die Mischung aus regional aktiven Sponsoren wie der Helaba und überregionalen Investoren, die es braucht, um spannende Fintechs anzuziehen.“ Und auch Geschäftsführer Dr. Sebastian Schäfer spricht aus Erfahrung, als er zusammenfasst: „Das TechQuartier war überfällig.“ Der Dozent, Mitgesellschafter junger Unternehmen und Juror in Gründer- und Innovationswettbewerben treibt die Positionierung der Metropolregion als Start-up-Hub bereits seit vielen Jahren voran.

Fintechs erobern mit neuen Lösungen ein Kundensegment, das bisher die traditionellen Finanzinstitute belegten. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage: Wo soll diese Innovation zukünftig stattfinden – und wie können alle davon profitieren?
„Das TechQuartier ist eine Anlaufstelle. Ein Ort zur Vernetzung und ein wichtiger Inkubator, um neue Ideen zu entwickeln und zum Laufen zu bringen.“ Dr. Sebastian Schäfer,
Geschäftsführer des TechQuartiers

Ein erfolgreiches Start-up, das im TechQuartier sein Zuhause gefunden hat, ist vaamo: ein Fintech-Unternehmen, das mit seinem Robo-Advisor die digitale Vermögensverwaltung vereinfacht. Vorstand und Mitgründer Dr. Thomas Bloch schätzt den direkten Austausch, den das TechQuartier ermöglicht: „Wir können hier nach unserem Verständnis arbeiten und auf Kooperation statt Konfrontation mit den etablierten Finanzinstitutionen setzen. Dass dieser Ansatz den Geist des TechQuartiers widerspiegelt, zeigt sich ja auch an Sponsoren wie der Helaba, die uns hier aktiv unterstützen.“

Mit dieser Einschätzung ist Bloch nicht allein. Das zeigen rund 15 Start-ups sowie zwei Accelerator-Programme, die zusätzliche Fintechs anziehen. Allen Lösungen – darunter eine Forderungsbörse, eine App zur Vermögensverwaltung und ein Bezahlsystem – ist der digitale Ansatz gemein. Über ein Dutzend hochkarätiger Mentoren aus Wissenschaft, Beratung und Finanzwesen ist regelmäßig und gerne zu Gast. Das Ergebnis: etabliertes Finanzwesen und digitale Innovationsfreude im ungezwungenen Austausch.

Kooperation statt Konfrontation

Ob Beratungsstunden oder ein kurzes Gespräch an der Kaffeemaschine: Neue Formen des Arbeitens und dynamischere Strukturen ermöglichen andere Ergebnisse. Diese Erkenntnis drückt sich auch in der Ausstattung des TechQuartiers aus. Frische grüne Teppiche brechen mit dem modernen Industriecharakter der freigelegten Decken. Hier herrscht mehr Atmosphäre als im gewöhnlichen Großraumbüro. Aktuell verteilen sich 120 Arbeitsplätze über eine großzügige Etage mit bestem Blick auf Frankfurt, eine zweite ist bereits im Umbau. Die Nachfrage der Start-ups nach den bezahlbaren Büroplätzen ist groß.

Charmante Meetingplätze wie dieser machen deutlich: Hier braucht es nicht den klassischen Besprechungsraum, um sich effektiv auszutauschen.

Mit einem Blick in das Großraumbüro der Partner und Sponsoren zeigt sich: Man ist noch dabei, anzukommen und sich im neuen Arbeitsumfeld zurechtzufinden. Aber was besticht, ist die allgegenwärtige Bereitschaft, sich hier auf Neues einzulassen. „Vertreter der Helaba arbeiten einen Tag pro Woche im TechQuartier, sind dort präsent, gucken sich die Leute an, kommen mit ihnen ins Gespräch, sind offen für Kontakte, Einflüsse, Ideen“, betont auch Gerhard Kebbel die Bedeutung des Austauschs mit den Startups für die Sponsoren.

„Eine zwanglose Atmosphäre kann weitaus produktiver sein als das x-te Meeting im immer gleichen Besprechungsraum.“ Dr. Andreas Hackethal, Professor für Finanzen an der Goethe-Universität und Mentor im TechQuartier
Dr. Andreas Hackethal
Dr. Thomas Bloch

Auf die Frage, wie er die Rolle des TechQuartiers zusammenfassen würde, sagt Geschäftsführer Sebastian Schäfer: „Wir sind eine Anlaufstelle. Ein Ort zur Vernetzung und ein wichtiger Inkubator, um neue Ideen zu entwickeln und zum Laufen zu bringen.“ Prof. Dr. Hackethal betont zusätzlich den Community-Gedanken: „In der Zusammenarbeit von etablierten Finanzinstitutionen und innovationsstarken Fintechs lassen sich wichtige Lösungen finden – etwa in Regulierungsfragen. Und die zwanglose Atmosphäre hier kann weitaus förderlicher sein als das x-te protokollierte Meeting im immer gleichen Besprechungsraum.“

„Wir können hier nach unserem Verständnis arbeiten und auf Kooperation statt Konfrontation mit den etablierten Finanzinstitutionen setzen.“ Dr. Thomas Bloch, Vorstand und Mitgründer von vaamo

Aufbruchsstimmung am Main

Bei so viel Begeisterung bleibt die Frage, was die Wünsche sind, die man hier noch für die Zukunft des TechQuartiers hat. Andreas Hackethal hat mehrere Punkte auf der Wunschliste. Einer davon ist, dass noch mehr regionale Business Angels im TechQuartier aktiv werden. Daneben ist es die internationale Perspektive, auf die er hofft. Sebastian Schäfer und Thomas Bloch bekräftigen dies und wünschen eine stärkere Internationalität, aber auch regen Austausch: dass nicht nur Startup-Hubs in anderen deutschen Städten, sondern weltweite Akteure das TechQuartier nutzen, um hier eine Dependance für ihr Europa- oder Deutschlandgeschäft aufzubauen.

Durch das Drehkreuz des Hochhauses gelangt man zurück in den Frankfurter Nachmittag – und der gute Eindruck bleibt: Alle Weichen sind gestellt, um das TechQuartier zum Fintech-Hotspot Europas zu machen.

Weitere Themen

    WIE KUNDENNäHE WACHSTUM FöRDERT

    Vertrauenssache

    Zum Artikel
  • Die ProSiebenSat1Group

    „Reichweite trifft Idee.“

    Zum Artikel
  • ZKM INTERNATIONAL

    Ein globales Team

    Zum Artikel
  • DAS PORTFOLIO FüR ERNEUERBARE ENERGIEN WäCHST

    Frischer Wind für Hessen

    Zum Artikel
  • DER BREITBANDAUSBAU IM MAIN-KINZIG-KREIS BRINGT BüRGER ANS NETZ

    Hochgeschwindigkeit

    Zum Artikel
  • DIE DIGITALISIERUNG BEGINNT

    Helaba 4.0

    Zum Artikel